Tattoo-Artist organisiert Tätowierfarben nach Chargen im Studio

Tattoo-Farben dokumentieren: Chargen und Haltbarkeit im Blick

Eine schwarze Farbe steht seit Monaten im Schrank, eine zweite Flasche wurde gerade geöffnet und bei der dritten ist das Etikett kaum noch lesbar. Spätestens jetzt wird aus einem kleinen Ordnungsproblem eine wichtige Frage: Welche Charge wurde bei welchem Termin verwendet?

Tattoo-Farben zu dokumentieren gehört zu den Abläufen, die im Alltag leicht unterschätzt werden. Eine einfache, konsequente Lösung hilft bei Rückfragen, Produktwarnungen und der internen Qualitätskontrolle – ohne dass vor jedem Termin ein halber Verwaltungsakt entsteht.

Das Etikett ist mehr als Verpackung

Für Tätowiermittel gelten in Deutschland und der EU konkrete Kennzeichnungsvorgaben. Nach der europäischen REACH-Beschränkung müssen geeignete Gemische unter anderem als „Gemisch zur Verwendung in Tätowierungen oder Permanent-Make-up“ gekennzeichnet sein. Außerdem gehören eine eindeutige Referenznummer für die Charge und eine Zutatenliste auf die Kennzeichnung.

Die Bundesstelle für Chemikalien weist ausdrücklich darauf hin, dass Gemische ohne die vorgeschriebene Verwendungsangabe nicht zum Tätowieren eingesetzt werden dürfen. Auch die deutsche Tätowiermittel-Verordnung enthält Kennzeichnungsvorgaben.

Für den Studioalltag heißt das: Keine Flasche sollte allein nach Markenname und Farbton beurteilt werden. Charge, Produktbezeichnung, Herstellerangaben und Nutzungshinweise müssen lesbar bleiben.

Wareneingang: fünf Minuten, die später viel Arbeit sparen

Neue Farben sollten nicht direkt vom Paket in den Arbeitsplatz wandern. Ein kurzer Wareneingangscheck schafft Klarheit:

  • Ist die Flasche original verschlossen und unbeschädigt?
  • Ist sie eindeutig als Tätowiermittel gekennzeichnet?
  • Sind Charge, Inhaltsstoffe und Sicherheitshinweise lesbar?
  • Gibt es eine Haltbarkeits- oder Verwendungsangabe?
  • Stimmen Produkt und Lieferung mit der Bestellung überein?

Unklare, beschädigte oder unvollständig gekennzeichnete Produkte gehören zunächst in Quarantäne – also getrennt vom verwendbaren Bestand. Klärt den Fall mit Lieferant oder Hersteller, bevor die Farbe am Kunden eingesetzt wird.

Charge und Termin sinnvoll verknüpfen

Eine Chargennummer macht ein Produkt eindeutig zuordenbar. Genau das wird wichtig, wenn ein Hersteller eine bestimmte Charge zurückruft oder ein Kunde später eine produktbezogene Frage stellt. Die EU-Regelung verlangt die eindeutige Chargenreferenz auf dem Produkt. Ob und wie ein Studio die verwendete Charge zusätzlich kundenbezogen dokumentieren muss, kann von regionalen Vorgaben und dem eigenen Hygieneplan abhängen.

Unabhängig von der konkreten Pflicht ist eine nachvollziehbare Zuordnung sinnvoll. Dafür reicht ein schlanker Datensatz:

  1. Datum und Kunde beziehungsweise Termin,
  2. Hersteller und Produktname,
  3. Farbton,
  4. Chargen- oder Referenznummer,
  5. bei Bedarf das Datum der ersten Öffnung.

Das muss nicht jedes Mal neu abgetippt werden. Häufig verwendete Produkte können als klare Auswahlliste oder vorbereitete Vorlage geführt werden. Entscheidend ist, dass die Information später auffindbar und nicht nur auf einem losen Zettel im Arbeitsplatzwagen steht.

Geöffnete Flaschen brauchen eine klare Regel

Aufdrucke wie ein Mindesthaltbarkeitsdatum, eine Verwendungsdauer nach dem Öffnen oder besondere Lagerhinweise müssen nach Herstellerangabe beachtet werden. Ein geöffnetes Produkt wird nicht automatisch am nächsten Tag unbrauchbar. Umgekehrt ist ein noch nicht erreichtes Datum kein Freifahrtschein, wenn Flasche, Verschluss oder Inhalt auffällig wirken.

Notiert das Öffnungsdatum so, dass das Originaletikett nicht überklebt wird. Entfernt keine Chargenaufkleber und füllt Restmengen nicht in neutrale, unbeschriftete Flaschen um. Für den eigentlichen Termin werden benötigte Mengen hygienisch in Einweg-Farbkappen portioniert; Reste gehören nicht zurück in die Originalflasche.

Lagerung: sauber, übersichtlich und nach Herstellerangabe

Tattoo-Farben sollten so gelagert werden, dass sie vor Verunreinigung, extremer Wärme, Frost und direkter Sonne geschützt sind. Maßgeblich bleiben die Angaben des Herstellers. Eine nach Farben sortierte Reihe sieht gut aus, reicht aber organisatorisch nicht.

Praktischer ist das Prinzip „zuerst ablaufend, zuerst verwenden“: Produkte mit kürzerer verbleibender Nutzungsdauer stehen vorne, neuere Lieferungen dahinter. Ein monatlicher kurzer Bestandscheck verhindert, dass problematische Flaschen erst während einer Session auffallen.

Was bei einer Warnung oder einem Rückruf passiert

Wenn Hersteller, Händler oder Behörde vor einer Charge warnen, braucht das Studio einen festen Ablauf:

  • betroffene Produkte sofort sperren und getrennt lagern,
  • Chargennummer mit dem Bestand abgleichen,
  • prüfen, bei welchen Terminen die Charge dokumentiert wurde,
  • Anweisungen von Hersteller oder Behörde befolgen,
  • alle Schritte nachvollziehbar festhalten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass Tätowiermittel direkt in die Haut eingebracht werden und ihre Sicherheit deshalb besonders relevant ist. Eine lückenlose Studioablage ersetzt keine Produktprüfung, macht Reaktionen auf konkrete Hinweise aber deutlich schneller.

Zwei häufige Fragen aus dem Studioalltag

Muss jede neue Flasche fotografiert werden?

Ein Foto des vollständigen Etiketts kann die Erfassung erleichtern, ist aber kein Ersatz für einen auffindbaren Datensatz. Charge, Produkt und Termin sollten auch dann eindeutig zugeordnet werden können, wenn das Bild später nicht mehr verfügbar ist.

Reicht die Einkaufsrechnung als Nachweis?

Eine Rechnung belegt den Einkauf, zeigt aber nicht automatisch, welche Charge bei welchem Kunden verwendet wurde. Beides lässt sich sinnvoll verbinden: den Einkauf beziehungsweise Beleg digital erfassen und die eingesetzte Charge dem Termin zuordnen.

Dokumentation muss in den Ablauf passen

Die Chargendokumentation funktioniert nur, wenn sie am Termin leicht erreichbar ist. Kundendaten, Einverständniserklärungen und Terminverlauf lassen sich mit TattooManager bereits zentral organisieren. Für Produktchargen sollte das Studio einen klaren ergänzenden Prozess festlegen und prüfen, welche Dokumentation das örtliche Gesundheitsamt oder der eigene Hygieneplan verlangt. Personenbezogene Angaben gehören dabei in einen geschützten Ablauf; dazu passt der Ratgeber zum Datenschutz im Tattoo-Studio.

Hilfreich ist außerdem ein sauberer Hygieneplan für das Tattoo-Studio. Wer seine gesamten Abläufe digitaler strukturieren möchte, kann TattooManager 30 Tage kostenlos testen – ohne Zahlungsdaten und ohne automatische Verlängerung.

Hinweis: Dieser Artikel bietet eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine rechtliche oder behördliche Beratung.

Andere interessante Artikel über den TattooManager